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Draußen lernen: Natur und Wald als Schulungsraum

Auch in der Erwachsenenbildung bei Fort- und Weiterbildungen, wie zum Beispiel bei einem Bildungsurlaub, können Natur und Wald als Schulungsraum sehr hilfreich, wenn nicht sogar um einiges besser sein als ein Seminarraum.

Das Thema Draußenschule, also das Lernen in der Natur, kennen wir vor allem im schulischen Kontext bei Kindern und Jugendlichen. Doch auch in der Erwachsenenbildung bei Fort- und Weiterbildungen können Natur und Wald als Schulungsraum sehr hilfreich, wenn nicht sogar um einiges besser sein als ein Seminarraum.

Natur und Wald als Schulungsraum auch bei Fort- und Weiterbildungen für Erwachsene?

Wir sehen es gerne, wenn unsere Kinder sich in Waldkindergärten tummeln oder in der Schule Projekte in der Natur machen. Auch wenn die Naturpädagogik beziehungsweise die Naturraumpädagogik noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie beispielsweise bei unseren skandinavischen Nachbarn, wird die Draußenschule oder das Lernen in der Natur bei Eltern immer beliebter. Schließlich erinnert es viele an die eigene Kindheit, wo man es ebenfalls geliebt hat, barfuß über eine Wiese zu rennen, in der Erde zu buddeln oder einen Baum hochzuklettern.

Schaut man sich dagegen in der Erwachsenenbildung bei Fort- und Weiterbildungen um, ist es alles andere als Grün. Da sitzt man vielfach in einem schmucklosen Raum auf unbequemen Stühlen, bewegt sich die meiste Zeit nicht und lauscht einem Dozenten, der vorne an der Tafel oder dem Whiteboard steht.

Wie wäre es, wenn auch Fort- und Weiterbildungen für Erwachsene draußen stattfinden würden mit Natur und Wald als Schulungsraum? Ganz im Sinne des britischen Lehrers Tim Brighouse, der sagte: „Eine Unterrichtslektion draußen ist so viel wert, wie sieben drinnen!“ Das gilt mitnichten nur für unsere Kinder!

Vorteile die das Lernen in der Natur uns bietet

Die Natur bietet beim Lernen einige Vorteile im Gegensatz zum Unterricht im Klassenzimmer oder Seminarraum. Das wurde vielfach durch wissenschaftliche Studien bewiesen. Sowohl wurden Ausdauer, Geschicklichkeit und Koordination gefördert als auch kognitive Verbesserungen, zum Beispiel eine verbesserte Gedächtnisleistung, festgestellt. Vor allem das Langzeitgedächtnis profitiert davon, wenn Seminare in die Natur verlegt werden.

Neben lernfördernden wurden darüber hinaus auch stressreduzierende Wirkungen festgestellt. Und welcher Erwachsene hat heutzutage keinen Stress? Wäre es deswegen vor allem bei Seminaren rund um das Thema Stressbewältigung, Stressprävention und Stressmanagement nicht wünschenswert, diese (mehr) in die Natur zu verlegen?

Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass auch Resilienz, also die innere Widerstandskraft, sehr gut in der Natur und im Wald trainiert werden kann. Mehr dazu lesen Sie in meinem Blogartikel „Wie Sie Ihre Resilienz in der Natur trainieren können“.

Lernen in der Natur fördert die Gesundheit und die Teamfähigkeit

Und es geht noch weiter: Natur und Wald als Schulungsraum tun uns auch gesundheitlich gut. Das wusste schon der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau, von dem das Zitat stammt: „Natur ist nur ein anderer Name für Gesundheit“.

Doch warum tut uns Natur so gut?

Zum einen, weil wir uns in der Natur bewegen und dadurch der heutzutage vorherrschenden Bewegungsarmut (durch ständiges Sitzen am Schreibtisch) zuvorkommen. Außerdem beugen Aufenthalte im Freien vielen Zivilisationskrankheiten, wie beispielsweise Allergien, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vor. Und auch unser Immunsystem erhält einen Push: Die Terpene – bioaktive Substanzen in der Waldluft, welche von den Pflanzen abgegeben werden–, erhöhen die Natürlichen Killerzellen in unserem Körper. Und das ist gut so! Schließlich haben diese Zellen die immens wichtige Aufgabe, entartete Körperzellen aufzuspüren und zu zerstören. Und dadurch zur Krebsprävention beizutragen.

Mehr dazu, wie die Natur unsere Gesundheit stärkt, erfahren Sie in meinem Blogartikel „Wie Natur zur Stressbewältigung und zur Gesundheitsförderung beitragen kann“.

Last but not least haben verschiedene Beobachtungen gezeigt, dass das Draußen lernen pro-soziales Verhalten, Konfliktlösung und Vertrauen in andere Menschen fördert. Was ja vor allem bei Team-Building-Events erreicht werden soll. Doch nicht alleine nur dabei. Letztendlich profitiert jeder Mensch von diesen Fähigkeiten, der oder die in einem Team mit anderen Menschen arbeitet.

Natur und Wald als Schulungsraum nutzen

Doch wie soll dieses Lernen in der Natur aussehen? Schließlich können Natur und Wald als Schulungsraum nicht genauso wie ein Seminarraum genutzt werden.

Zum einen gibt es ja weder Tische noch Stühle. Außerdem können die üblichen Hilfsmittel, wie Whiteboard oder Laptop und Beamer mit einer entsprechenden Projektionsfläche, gar nicht beziehungsweise im Falle eines Whiteboards nur unter großen Mühen irgendwo aufgestellt und befestigt werden. Dazu kommt, dass man in der Natur ja nicht nur statisch an einem Ort bleiben, sondern auch gewisse Strecken gehen möchte. Dabei ein Whiteboard mitzuschleppen wäre höchst aufwendig und unpraktisch.

Doch soll ich Ihnen etwas sagen? Wenn Sie Natur und Wald als Schulungsraum nutzen wollen, brauchen Sie das alles nicht.

Sitzen können Teilnehmer*in beispielsweise auf dem Boden auf einer Decke oder einem Outdoor-Sitzkissen. Oder auf Bänken am Wegesrand, Baumstümpfen und/oder einem am Boden liegenden Baumstamm. Da gibt es genug Möglichkeiten. Und wer braucht einen Tisch, wenn es Klemmbretter gibt, auf denen genauso gut Notizen angefertigt werden können?

Darüber hinaus finden sich meist auf jeder Wanderstrecke mehrere Schutzhütten, die mit Tisch und Bänken ausgestatten sind und nicht nur zum Rasten, sondern auch zu einem weiteren Theorieblock einladen.

Nur wer schreibt, bleibt?

Wer sagt außerdem, dass unbedingt alles aufgeschrieben oder mitgeschrieben werden muss, was der Dozent sagt? Natürlich gibt es da dieses Sprichwort „Wer schreibt, der bleibt“, wo durchaus etwas dran ist. Denn es ist erwiesen, dass der Einsatz unserer Hände, die ja beim Schreiben gefordert sind, zu länger anhaltenden Erinnerungen führt. Doch wer sagt, dass der Einsatz unserer Hände beim Lernen beziehungsweise in einem Seminar ausschließlich aufs Aufschreiben beschränkt bleiben muss? Noch länger anhaltende Erinnerungen, unter anderem auch an ein Thema im Unterricht, entstehen durch Selbermachen und dem Einsatz all unserer Sinne.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aus unserem Seminar „Resilienztraining beim Wandern“ geben. In einer Lektion sollen die Teilnehmer*innen ein Kreisdiagramm mit den für sie wichtigen Lebensbereichen (also Beruf, Freunde, Familie, Freizeit etc.) darstellen und wie stark dieser Bereich zurzeit in Ihrem Leben ausgeprägt ist. Anstelle jetzt diese Darstellung auf ein Blatt Papier in verschiedenen Farben zu zeichnen, können die Teilnehmer*innen auch mit verschiedenen Naturmaterialien eine Art Mandala legen. Das wirkt doppelt, wenn nicht sogar dreifach so eindrucksvoll wie das Zeichnen, weil die Teilnehmer*innen neben ihren Händen außerdem auch Ihre Sinne dabei einsetzen: Den Sehsinn, um sich die entsprechenden Naturmaterialien zu suchen und den Tastsinn, weil mit den Händen diese Sachen gelegt werden. Einige Teilnehmer*innen riechen auch an den zusammengetragenen Objekten. Der Hörsinn kommt ebenfalls zum Zuge, denn schließlich ist es in der Natur nie völlig still: Da zwitschern Vögel oder summen Insekten, dort raschelt es im Gebüsch, am Himmel ruft ein Falke oder ein anderer Greifvogel und der Wind lässt die Baumkronen rauschen.

Anschließend können diese Kreisdiagramme, die manchmal wahre Kunstwerke sind, natürlich abfotografiert werden, um sie mit nach Hause nehmen zu können.

Igitt, es regnet!

Klar, das kommt natürlich auch mal vor. Doch auch dann steht der Nutzung von Natur und Wald als Schulungsraum nichts im Wege.

Anschauungsmaterial, welches auf Papier vorliegt, kann beispielsweise laminiert werden, um es vor Regen oder feuchten Untergründen zu schützen. Wenn ein heftiger Wind weht, können Steine, die man am Wegesrand findet, zur Verankerung genutzt werden. Außerdem gibt es, wie oben bereits geschrieben, diverse Schutzhütten, die aufgesucht werden können, um die schlimmsten Regengüsse abzuwarten. Und natürlich gibt es Regenjacken und -hosen oder Regenschirme, die die Teilnehmer*innen davor bewahren, nass zu werden. Denn wie sagt man so schön im Norden Deutschlands: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Klamotten.“

Aber auch das Gegenteil kann eine Herausforderung darstellen: Knallt die Sonne unbarmherzig vom Himmel wird selbst das interessanteste Thema zu anstrengend um zuzuhören und mitzudiskutieren. Doch auch dann bieten Natur und Wald als Schulungsraum diverse Möglichkeiten: Anstelle beispielsweise eine Lektion auf der Wiese zu besprechen, geht man ein paar Schritte weiter in den Wald hinein, wo man Schatten findet. Außerdem können auch hier wieder Schutzhütten zum Einsatz kommen. Und wer gerade in der Nähe eines kleinen Baches oder Flusses unterwegs ist, kann den theoretischen Input dorthin verlagern, mit der Möglichkeit, dass die Teilnehmer*innen ihre Füße in kühles Wasser tauchen können.

Von Hinweisen aus der Natur

Neben diesen Möglichkeiten bieten Natur und Wald als Schulungsraum noch mehr. Beispielsweise können Naturerfahrungen und -erlebnisse als Analogien gelten, die auf das eigene Leben übertragen werden können. Um noch einmal auf Wetterunbilden zurückzukommen: Das ist genauso wie im richtigen Leben, wo auch nicht immer nur die Sonne scheint und es warm ist (Harmonie in Familie und Beruf). Genauso schnell können Stürme aufziehen (Streit), es anfangen zu regnen oder zu schneien (eine Krise oder Herausforderung), es kalt werden (Rückzug von Freunden oder der Familie) oder brutal heiß (zu starke familiäre Eingespanntheit, zum Beispiel bei Pflege der kranken oder dementen Eltern).

Außerdem können diverse Natursymbole als Analogien und Metaphern für individuelle Fragestellungen genutzt werden, wobei als Natursymbol wirklich alles in Frage kommen kann. Ein über einem Teilnehmer am Himmel schwebender Falke könnte beispielsweise ein Hinweis darauf sein, dass der betreffende Mensch sich einen besseren Überblick über den aktuellen Job wünscht. Ein hohler Baumstumpf am Wegesrand, dessen Inneres jetzt vielen Tieren und Pflanzen eine neue Heimat bietet, kann andere Teilnehmer*innen daran erinnern, dass manchmal tatsächlich etwas sterben muss (Trennung vom Partner, Verlust des Jobs etc.), um etwas Neuem und vielleicht auch Schönerem (der großen Liebe, dem Traumjob etc.) Platz zu machen.

Diese Arbeit mit Natursymbolen als Analogien und Metaphern kann auch im Coaching, vor allem, wenn dieses Coaching beim Gehen, Spazieren oder Wandern in der Natur stattfindet, eingesetzt werden. Mehr dazu finden Sie in meinem Blogartikel: „Der Einfluss von Natur in Seminaren und im Coaching“. 

 

Sie sehen: Natur und Wald als Schulungsraum für Weiter- oder Fortbildungen zum Beispiel im Rahmen eines Bildungsurlaubs zu nutzen, ist mit vielen Vorteilen für uns verbunden und auch gar nicht so kompliziert.

 

Wenn Sie Interesse daran bekommen haben, einmal bei solch einem Seminar, in denen wir unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit in die Natur nehmen, teilzunehmen, dann möchte ich Ihnen die folgenden empfehlen:

  • Resilienztraining beim (achtsamen) Wandern: In diesem Bildungsurlaub erwandern Sie sich auf unterschiedlichen Etappen die sieben Faktoren der Resilienz, um anschließend eine bessere „Trittsicherheit“ im Umgang mit belastenden und herausfordernden Situationen zu haben und auch mit Stress besser umgehen zu können.
  • Fasten in achtsamer Bewegung: In diesem Bildungsurlaub lernen und erfahren Sie, wie Sie durch die Umstellung von dysfunktionalen Ernährungs- und Bewegungsmustern Stress vorbeugen können.
  • Yoga und Wandern für mentale Stärke im Beruf: In diesem Bildungsurlaub werden moderne Yoga-Praktiken und bewährte Techniken aus der Achtsamkeit mit achtsamem Wandern verbunden, um den Teilnehmer*innen einen starken Rücken, einen klaren Kopf und einen gelassenen Geist zu schenken. 

 

Literatur:

Becker C., Lauterbach G., Spengler S., Dettweiler U. und Filip Mess (2017): Effects of Regular Classes in Outdoor Education Settings: A Systematic Review on Students’ Learning, Social and Health Dimensions. International Journal of Environmental Research and Public Health, Volume 14, Artikel 5 https://www.mdpi.com/1660-4601/14/5/485

Eaton D. (2000): Cognitive and affective learning in outdoor education. Dissertation Abstracts International – Section A: Humanities and Social Sciences, Volume 60, Nummer 10-A, Seite 3595

Kuo M., Barnes M. und Jordan C. (2019): Do Experiences With Nature Promote Learning? Converging Evidence of a Cause-and-Effect Relationship. Frontiers in Psychology, Volume 10, Artikel 305
https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2019.00305/full

Mir E., Limarutti A. und Hoferer M (2024): Lernen in, mit und für die Natur. die hochschullehre, Band 10. https://www.wbv.de/shop/Lernen-in-mit-und-fuer-die-Natur-Implikationen-fuer-den-Hochschulkontext-HSL2440W

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