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Warum wir uns eine optimistische Sprache angewöhnen sollten

Bemühen Sie sich, um eine positive und optimistische Sprache. Das kann Ihr Leben zum Positiven verändern und sogar die Vorgänge in Ihrem Gehirn beeinflussen!

Meistens denken wir nicht im Detail darüber nach, was wir gerade sagen oder schreiben. Allerdings sollten wir unseren Fokus wieder mehr auf eine positive und optimistische Sprache legen. Das kann unser Leben zum Positiven verändern. Und sogar die Vorgänge in unserem Gehirn beeinflussen!

Warum unser Gehirn negativ geprägt ist

Unser Gehirn ist negativ geprägt. Das wird als Negativitätsverzerrung oder Negativity Bias bezeichnet und hat evolutionäre Gründe: Für unsere Vorfahren in der Steinzeit war es wichtig, alles um sich herum aufmerksam wahrzunehmen, um zum Beispiel rechtzeitig den Angriff wilder Tiere oder eines feindlichen Stammes mitzubekommen. Schließlich wollten sie überleben. Und um das tun zu können, musste man sich eher auf negative Dinge konzentrieren.

Heutzutage ist das nur noch bedingt nötig. Dennoch hält unser Gehirn am Althergebrachten und daher am Negativen fest. Vor allem die Amygdala, einem Teil des Gehirns, welches sehr früh in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere entstanden ist. Dieser Teil verwendet sage und schreibe zwei Drittel der hiesigen Neuronen nur dazu, Negatives zu erkennen. Und diese Dinge außerdem anschließend im Langzeitgedächtnis zu speichern – weswegen wir uns auch besser und länger an schlechte, negative Dinge in unserem Leben erinnern als an positive.

Kein Wunder, dass die meisten unserer Gedanken und unsere täglich gesprochene und geschriebene Sprache eher negativ ist.

Sprachen sind von Natur aus positiv und optimistisch

Allerdings sind die meisten heutzutage gesprochenen Sprachen von Natur aus eher positiv und optimistisch geprägt. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Vermont, die 10 000 der am häufigsten verwendeten Wörter aus zehn Sprachen (unter anderem Deutsch, Englisch und Französisch) analysierten. Das Ergebnis: Viel mehr Wörter fielen in die positive und optimistische Kategorie als in die negative, pessimistische. Genaueres finden Sie im Paper „Human language reveals a universal positivity bias“.

Laut den Forschern macht das auch Sinn: All diese Sprachen haben sich in erfolgreichen Gesellschaften entwickelt, in denen das Leben der Menschen positiv und optimistisch gestimmt war. Deswegen kommunizierten sie auch positiv miteinander.

Warum sich negative Sprache und negative Gedanken selbst verstärken

Wer sich ständig nur negativ äußert beziehungsweise negativ geprägte Wörter und Begriffe verwendet, wird bald bemerken, dass er oder sie gemieden wird. Allerdings bezieht sich das nicht nur auf die verbale Kommunikation. Auch die nonverbale ist von entscheidender Bedeutung. Sogar mehr noch: Wir achten nämlich zu fast 90 Prozent eher auf nonverbale Kommunikation als auf verbale!

Das können Sie sogar selbst austesten: Sagen Sie etwas freundliches, machen Sie dabei jedoch ein unfreundliches Gesicht und verhalten sich abwehrend. Sie werden merken, dass das, was Sie nonverbal kommuniziert haben, stärker wahrgenommen wird als das, was Sie eigentlich gesagt haben.

Darüber hinaus hat nicht nur das gesprochene, negative Wort Auswirkungen auf uns, unsere Umwelt und unser Leben und Lebensglück. Auch das, was wir denken, beeinflusst uns – im positiven wie im negativen. Das haben Sie bestimmt auch schon mal am eigenen Leibe erfahren: Waren Sie davon überzeugt, dass Sie etwas schaffen konnten, dann haben Sie es auch geschafft. Andersherum ebenso: Sie sind davon überzeugt, dass Sie etwas nicht schaffen werden – und prompt schaffen Sie es auch nicht. Das nennt sich eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Damit nicht genug ist das Ganze auch noch selbstverstärkend: Negative Gedanken führen zu negativer Sprache – verbal als auch nonverbal. Und negative Sprache verstärkt pessimistische und negative Gedanken.

Wie eine optimistische Sprache auf unser Gehirn wirkt

Eine negative Sprache hat darüber hinaus auch Auswirkungen auf die Vorgänge in unserem Gehirn – vor allem auf die Ausschüttung von Neurotransmittern. Deutsche Forscher konnten in mehreren Studien (siehe in der Literaturliste unten) aufzeigen, dass zum Beispiel die Ausschüttung von Cortisol – dem Stresshormon Nummer 1 – um einiges höher war, wenn die Testpersonen negativen oder schmerzhaften Wörtern ausgesetzt waren. Untersuchungen an Kindern zeigten außerdem, dass diejenigen, die vermehrt negative Selbstgespräche führten, stärker unter Ängsten litten. Bei Erwachsenen soll das wahrscheinlich auch der Fall.

Kommuniziert und denkt jemand dagegen positiv, wirkt sich das ebenfalls auf die Gehirnstruktur aus. Forscher konnten belegen, dass eine positive und optimistische Sprache die Frontallappen des Gehirns stärkt, was eine Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten bewirkt.

Um unser Gehirn also vor den Auswirkungen von Stresshormonen zu schützen und unter anderem Aufmerksamkeit, Erinnerungsvermögen, Kreativität und das Denken selber (inklusive unter anderem Planung und Problemlösung) zu fördern, sollten wir uns mehr um eine positivere, optimistische Sprache bemühen.

7 Tipps für eine optimistische Sprache

Doch was tun, wenn Sie sich ständig dabei erwischen, eher negativ und pessimistisch zu denken und zu kommunizieren?

Keine Sorge! Sie können etwas dagegen unternehmen! Deswegen habe ich Ihnen im Folgenden sieben Tipps für eine optimistische Sprache zusammengestellt:

Verwenden Sie positive Wörter

Wussten Sie, dass unser Gehirn Wörter wie „nicht“ oder „kein“ nicht erkennt? Deswegen funktioniert auch der bekannte Beispielsatz „Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten“ nicht. Denn was tun Sie automatisch? Sie denken an einen rosa Elefanten.

Streichen Sie also wann immer es Ihnen möglich ist die Wörter „nein“, „nicht“, „kein“ und die Vorsilbe „un-“ aus Ihrem Sprachgebrauch.

Ersetzen Sie darüber hinaus negativ besetzte Wörter mit positiven. Sagen Sie z.B. anstelle „schwierig“ lieber „anspruchsvoll“ und statt „schlecht“ lieber „ausbaufähig“.

Formulieren Sie Bitten positiv

Wenn Sie an Ihr Gegenüber eine Bitte richten, verwenden Sie auch hier eine optimistische Sprache. Formulieren Sie also bewusst und klar und deutlich, was Sie konkret möchten und nicht, was Sie nicht möchten. Sagen Sie also „Sei bitte um 15 Uhr bei mir im Büro.“, anstelle von „Komm nicht wieder zu spät zu unserer Besprechung“.

Formulieren Sie differenziert und so genau wie möglich

Formulieren Sie Anliegen, Bitten etc. immer so konkret wie möglich und vermeiden Sie Generalisierungen. Gehen Sie also vorsichtig mit Wörtern wie „grundsätzlich“, „alles“, „ständig“ oder „immer“ um! Sagen Sie also nicht „Immer kommst du zu spät zu unseren Besprechungen“, sondern seien Sie konkret. Beispielsweise indem Sie wie folgt formulieren: „Die letzten beiden Male bist du jeweils 20 Minuten zu spät zu unseren Besprechungen gekommen. Bitte versuche, ab heute pünktlich um 15 Uhr in meinem Büro zu sein.“

Üben Sie konstruktive Kritik

Kritik ist gut und wichtig, damit ein anderer sich weiterentwickeln kann. Allerdings sollten Sie Kritik immer konstruktiv an den Mann oder die Frau bringen. Anstelle also zu sagen „Die Präsentation war ziemlich schlecht“, formulieren Sie ganz konkret, was nicht so gut war beziehungsweise was Sie sich gewünscht hätten: „„Was ich mir noch gewünscht hätte, war …, weil…“. Generell ist das Angeben eines Grundes beim Üben von Kritik sehr zu empfehlen, damit Ihr Gegenüber versteht, worum es Ihnen genau geht und was er oder sie zukünftig besser machen kann.

Formulieren Sie klar und transparent

Eine klare und transparente Kommunikation ist auch dann zu empfehlen, wenn etwas schlecht gelaufen ist. Schließlich hilft Schönfärberei in den wenigsten Fällen. Achten Sie jedoch auch hier auf die Verwendung von eher positiven Formulierungen, z.B. wie folgt: „Die Geschäftsentwicklung ist enttäuschend. Wir brauchen neue Strategien. Wer hat Vorschläge dazu?“

Verwenden Sie eine optimistische Sprache sowohl bei anderen als auch bei sich selbst

Die vorherigen Punkte beziehen sich vornehmlich auf die Kommunikation mit anderen Menschen. Allerdings ist es wichtig, eine optimistische Sprache auch sich selbst gegenüber anzuwenden. Denn wie bereits oben erwähnt, wirken sich Sprache und Gedanken selbstverstärkend aus. Denken Sie also positiv und sprechen Sie es auch sich selbst gegenüber laut aus, z.B. „Ich werde das Projekt zu einem guten Abschluss führen.“ Dann werden Sie es auch genauso hinbekommen.

Von daher ist Achtsamkeit auch in der Kommunikation und für den Gebrauch einer optimistischen Sprache wichtig. Darum ist es empfehlenswert, allein schon deswegen mehr Achtsamkeit in Ihr Leben zu lassen.

Praktizieren Sie Dankbarkeit

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt etwas damit zu tun zu haben scheint, fördert Dankbarkeit doch eine positive Grundstimmung und deswegen auch eine optimistische Sprache. Überlegen Sie beispielsweise immer mal wieder, wofür Sie alles dankbar sein können. Gerne können Sie dazu auch ein kleines Ritual machen, einfach, indem Sie jeden Abend drei Sachen, für die Sie dankbar sind, in ein kleines Büchlein eintragen.

Schnell werden Sie merken, dass sich Ihr Fokus (wieder) mehr auf die positiven Dinge des Lebens richtet und auch Ihre Sprache optimistischer wird.

Wiederholungen für eine optimistische Sprache

Wenn Sie sich die obigen sieben Punkte ansehen und jetzt denken „Das hört sich ja ganz einfach an!“, muss ich Ihnen leider sagen: „Täuschen Sie sich mal nicht!“ Denn wie am Beginn dieses Artikels geschrieben, ist unser Gehirn ja eher negativ gepolt. Von daher werden meistens – vor allem wenn Sie nicht achtsam sind – auch die bekannten Pfade (wieder) eingeschlagen.

Ich ziehe hier gerne den Vergleich mit Autobahnen und Trampelpfaden heran – die gibt es nämlich auch in unserem Gehirn 😉. Negative Formulierungen gehen uns nämlich deswegen leicht von der Hand, weil wir sie ständig gebrauchen. Das sind die – zumindest zurzeit noch – bestehenden Autobahnen: Weil wir sie bislang häufig genutzt haben, sind sie breit und eben, haben eine klare Beschilderung und klar erkennbare Wegweiser. Und sind damit leicht und einfach für uns zu begehen.

Positive Formulierungen und eine optimistische Sprache hingegen benutzen wir in der Regel sehr viel seltener. Das sind dann die Trampelpfade. Eben weil wir sie bislang so wenig gebraucht haben, sind sie schwerer begehbar, weil sie vielfach überwuchert sind und der Boden uneben und mit vielen Stolperfallen versehen ist. Außerdem kennen wir uns aufgrund der geringen Benutzung auf diesen Wegen nicht so aus. Es besteht somit die Gefahr sich zu verlaufen. Kein Wunder also, wenn wir uns eher zur Autobahn hin orientieren.

Allerdings können auch solche Trampelpfade zur Autobahn werden – und zwar, wenn wir diese wieder und wieder beschreiten. Deswegen sind Wiederholungen und das beständige Üben das A und O für eine optimistische Sprache.

Von daher: Fangen Sie am besten gleich jetzt an!

Damit wünsche ich Ihnen eine schöne Woche mit ganz vielen Gelegenheiten, eine optimistische Sprache zu üben und anzuwenden.
Ihre Silvia Duske

 

Literatur:

Blogbeitrag „Confronting the Negativity Bias“ von Dr. Rick Hanson: https://rickhanson.com/how-your-brain-makes-you-easily-intimidated/

Richter M, Eck J., Straube T., Miltner W.H.R., Weiss T. (2010): Do words hurt? Brain activation during the processing of pain-related words. PAIN, Band 148, Nummer 2, Seiten 198-205
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0304395909004564

Ritter A., Franz M, Puta C., Dietrich C., Miltner W.H.R. und Weiss T. (2016): Enhanced Brain Responses to Pain-Related Words in Chronic Back Pain Patients and Their Modulation by Current Pain. Healthcare, Band 4, Nummer 54
https://www.researchgate.net/publication/306052773_Enhanced_Brain_Responses_to_Pain-Related_Words_in_Chronic_Back_Pain_Patients_and_Their_Modulation_by_Current_Pain

Ritter A., Franz M., Miltner W.H.R. und Weiss T. (2019): How words impact on pain. Brain and Behavior, Wiley Online Library.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6749494/pdf/BRB3-9-e01377.pdf

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