Viele Menschen umgeben sich in ihrem Zuhause und auch auf der Arbeit mit Pflanzen – weil sie einfach schön anzusehen sind und eine heimelige Atmosphäre zaubern. Doch das ist noch längst nicht alles: Neben einem wohldekorierten Raum tragen Pflanzen zum Stressabbau bei. Deswegen sind auch bei mir zuhause und bei uns im Büro einige Zimmerpflanzen zu finden.
Wie Pflanzen die Luft reinigen
Pflanzen sind viel mehr als reine Dekoration. Natürlich sieht es schön aus, wenn sie – in zu den Möbeln im Raum passenden Töpfen – verteilt im Zimmer stehen. Zimmerpflanzen jedoch allein auf ihre Ästhetik zu reduzieren, wäre falsch. Denn Pflanzen haben enorme positive Wirkungen auf den menschlichen Körper.
Das fängt bereits mit der Aufnahme von Kohlendioxid an. Genau wie ihre großen Verwandten im Wald – die Bäume – nehmen Zimmerpflanzen Kohlendioxid aus der Luft auf, speichern den Kohlenstoff und entlassen Sauerstoff in die Atmosphäre. Oder eben in die Raumluft. Das wird in der Biologie als Fotosynthese bezeichnet. Das bedeutet, die von uns abgeatmete Luft wird wieder zu frischem Sauerstoff, den wir zum Leben brauchen.
Außerdem nehmen Pflanzen – wiederum wie ihre Verwandten, die Bäume – Schadstoffe aus der Luft auf. Und das ist auch gut so. Denn laut einer Untersuchung der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde verbringt der moderne Mensch ungefähr 90 Prozent seines Lebens in geschlossenen Räumen. Und genau wie in Großstädten auch, sind in der Raumluft einige Schadstoffe und Chemikalien, beispielsweise von Teppichklebern, Farben, Reinigungsmitteln etc., enthalten. Von Schimmelsporen und Allergenen gar nicht zu reden.
Pflanzen als natürliche Klimaanlagen
Natürlich können Sie jetzt anführen, dass es diverse Klimaanlagen gibt, die diese Funktionen auch erfüllen. Und zudem noch die Temperatur im Raum angenehm halten – je nach Jahreszeit. Außerdem müssen diese noch nicht mal gegossen werden…
Klar, gießen braucht man Klimaanlagen natürlich nicht. Dennoch benötigen auch sie ein gewisses Maß an Pflege, zum Beispiel eine regelmäßige und sorgfältige Wartung. Ist das nicht gewährleistet, kann es passieren, dass Schadstoffe nicht mehr abgeführt und stattdessen Bakterien, Schimmelpilze und/oder andere Mikroorganismen in der Raumluft verbreitet werden. Das wurde auch in einer groß angelegten Befragung der AOK bestätigt, die herausfand, dass fast 40 % der Befragten sich durch schlechte Belüftung und Klimaanlagen (was meistens an einer mangelnden Wartung lag) beeinträchtigt fühlen!
Außerdem haben Klimaanlagen einen sehr hohen Energieverbrauch. Und selbst die effizientesten und modernsten unter ihnen machen Geräusche, die sich störend auf die Mitarbeiter auswirken können.
Ganz anders dagegen Zimmerpflanzen: Hin und wieder einen Schluck Wasser und ungefähr einmal im Jahr neue Erde und sie sind zufrieden. Zudem verbrauchen sie keine Energie und machen keine Geräusche. Sie sind also die perfekten Partner fürs Büro.
Diese oben beschriebenen Eigenschaften der Pflanzen sind weder aus der Luft gegriffen noch neu. Pflanzen verbessern tatsächlich die Luftqualität, weil sie Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln, den sie wieder in die Raumluft bringen. Außerdem nehmen sie Schadstoffe aus der Luft auf – ganz besonders der Bereich von Wurzeln und Erde. All das hat die NASA in einer großangelegten Studie bereits im Jahre 1998 herausgefunden (sehen Sie unter den Literaturangaben am Ende dieses Beitrags)!
Stressabbau durch Pflanzen – ist das tatsächlich möglich?
Damit nicht genug, steigern Pflanzen auch das Wohlbefinden – sowohl in der privaten Wohnung als auch in Büroräumen. Beispielsweise fanden Han und Ruan durch Vergleich und Analyse verschiedener wissenschaftlicher Studien heraus, dass bei Arbeitnehmern positive Emotionen gefördert und negative Gefühle minimiert wurden, wenn es Zimmerpflanzen im Raum beziehungsweise im Büro gibt. Außerdem wurden sogar körperliche Beschwerden reduziert! Dieses wurde auch durch die Studie von Dravigne und Kollegen bestätigt, die darüber hinaus herausfanden, dass sich Arbeitnehmer wohler auf der Arbeit und mit ihrer Arbeit fühlen, wenn Pflanzen im Zimmer sind oder es zumindest Fenster gibt, durch die man nach draußen ins Grüne schauen kann. Auch Chang and Chen bestätigten diese letztgenannten Ergebnisse.
Bringslimark, Hartig und Patil stellten in ihrer Studie sogar ein enormes Potential von Zimmerpflanzen auf die Produktivität, den Krankenstand und den vom Arbeitnehmer wahrgenommenen Stress fest. Vor allem Letzteres lässt sich gut mit den von Han und Ruan gefundenen Ergebnissen erklären, wonach Arbeitnehmer mehr positive Emotionen und weniger negative haben, wenn Pflanzen im Raum sind. Denn es ist hinlänglich bekannt, dass wir uns unseren Stress selber machen: Indem wir – angetrieben durch die negativen Gefühle – ungut gelaufene Situationen immer und immer wieder durchspielen und sie dabei noch schlimmer machen. Oder wir grübeln und stellen uns zukünftige Szenarien in den schlimmsten Ausprägungen vor. Wenn sich nun – allein durch die Anwesenheit von Pflanzen – diese negativen Gefühle minimieren und sich stattdessen positive in uns ausbreiten, passiert das seltener. Das Ergebnis daraus ist, dass wir uns auch seltener stressen lassen.
Natürlich sind diese Ergebnisse nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deswegen empfahlen Bringslimark, Hartig und Patil weitere Studien vorzunehmen. Unter anderem, weil sie vermuten, dass auch Größe und Gestalt der grünen Zimmergenossen eine Rolle beim Stressabbau durch Pflanzen spielen. Ebenso wie die Pflanzenart und die Farbe auch Auswirkungen zu haben scheinen.
Gießen, umtopfen und betüdeln – Pflanzen zum Stressabbau2
Wie ist es nun aber, wenn neben dem reinen Anschauen und dem Dasein von Zimmerpflanzen im Raum beziehungsweise im Büro sich die Arbeitnehmer auch noch aktiv mit den Pflanzen beschäftigen? Das heißt, umtopfen, Pflanzen beschneiden, gießen etc. Spielt auch das eine Rolle?
Damit haben sich unter anderem Lee und Kollegen in ihrer Studie beschäftigt: Sie ließen ihre Probanden in der ersten Versuchsanordnung reine, ununterbrochene Computerarbeit verrichten. In der zweiten Versuchsanordnung gönnten sie ihnen während der Tätigkeit Pausen, in denen die Probanden Pflanzen umtopfen sollten. Dadurch fanden die Forscher heraus, dass bei der zweiten Versuchsanordnung (bei dem also die Computertätigkeit durch Beschäftigung mit Pflanzen unterbrochen wurde) bei den Probanden die Aktivität des Sympathikus abnahm. Das zeigte sich sowohl in einem erniedrigten Blutdruck als auch in einer verlangsamten Herzrate. Und eine Abnahme der Sympathikus-Aktivität deutet auf eine niedrigere Stressreaktion hin. Also konnte auch durch physiologische Parameter bewiesen werden, dass Stressabbau durch Pflanzen tatsächlich möglich ist!
Zwar (noch) nicht durch eine wissenschaftliche Studie bestätigt, aber dennoch vielfach empirisch erfahren, bedient die Beschäftigung mit Pflanzen zudem den Achtsamkeitsaspekt. Und dieser wirkt sich ebenfalls positiv auf unser Stressempfinden aus: Einfach indem wir mehr im Hier und Jetzt sind und weder über vergangene (und nicht optimal verlaufende) Geschehnisse brüten oder uns zukünftige Situationen in den schlimmsten Farben ausmalen.
Natur adé und rein mit den Pflanzen in die Wohnung?
All diese Ergebnisse sind nun aber kein Freifahrtsschein für Sie zum Stubenhocker zu werden! Zwar ist Stressabbau durch Pflanzen, die wir uns in die Wohnung und/oder das Büro holen, möglich, aber noch besser können wir Stress draußen, in der Natur abbauen. Beispielsweise durch einen Spaziergang oder eine Wanderung oder die Betätigung im Garten, auf Balkon oder Terrasse. Dann sind die oben beschriebenen Effekte noch stärker spürbar und messbar, was ebenfalls durch viele wissenschaftliche Studien erwiesen wurde. Mehr zu diesen Themen lesen Sie in meinen früheren Blogbeiträgen, wo Sie ebenfalls einige Literaturangaben finden: Wie Natur zur Stressbewältigung und zur Gesundheitsförderung beitragen kann und Heilende Gärten: Warum Umgraben, Unkraut jäten und Hecken schneiden zum Stressabbau beitragen.
Allerdings ist es nicht jedem möglich, während der Arbeitswoche Natur direkt draußen zu tanken. Deswegen stellt der Umgang mit Natur drinnen, in Form von Zimmerpflanzen, einen guten Mittelweg dar, Stressabbau durch Pflanzen zu betreiben. Das wussten auch schon unsere Vorfahren: Bereits im alten Ägypten (ca. 300 v. Chr.) wurden Zimmerpflanzen kultiviert. Und auch in Pompeii wurden bei Ausgrabungen Reste versteinerter Pflanzen entdeckt, die sich in den Häusern befanden.
Daher: Begrünen Sie sowohl Ihr Zuhause als auch Ihre Arbeitsstätte. Dadurch tun Sie zum einen enorm viel für das Raumklima und bauen zum anderen Stress ab.
Damit wünsche ich Ihnen eine schöne Woche mit vielen Möglichkeiten, Stressabbau durch Pflanzen in Ihrem Zuhause als auch auf der Arbeit zu betreiben,
Ihre Silvia Duske
Literatur:
Bringslimark T., Hartig T. und Patil G.G. (2007): Psychological Benefits of Indoor Plants in Workplaces: Putting Experimental Results into Context. Hort Science, Volume 42, Edition 3, Seiten 581–587:
https://journals.ashs.org/hortsci/view/journals/hortsci/42/3/article-p581.xml?tab_body=pdf
Chang C.-Y. and Chen P.-K. (2005): Human Response to Window Views and Indoor Plants in the Workplace. Hort Science, Volume 40, Edition 5, Seiten 1354–1359:
https://journals.ashs.org/hortsci/view/journals/hortsci/40/5/article-p1354.xml
Dravigne A., Waliczek T.M., Lineberger R.D. und Zajicek J.M. (2008): The Effect of Live Plants and Window Views of Green Spaces on Employee Perceptions of Job Satisfaction. Hort Science, Volume 43, Edition 1, Seiten 183–187:
https://www.researchgate.net/publication/330796229_152_The_Effect_of_Live_Plants_and_Window_Viewson_Employee_Job_Satisfaction
Han K.-T. und Ruan L.-W. (2019): Effects of Indoor Plants on Self-Reported Perceptions: A Systemic Review. Sustainability, Volume 11, Edition 4506:
https://www.researchgate.net/publication/335316013_Effects_of_Indoor_Plants_on_Self-Reported_Perceptions_A_Systemic_Review
Lee M.-S., Lee J., Park B.-J. und Miyazaki Y. (2015): Interaction with indoor plants may reduce psychological and physiological stress by suppressing autonomic nervous system activity in young adults: a randomized crossover study. Journal of Physiological Anthropology. Volume 34, Edition 21:
https://www.researchgate.net/publication/275666367_Interaction_with_indoor_plants_may_reduce_psychological_and_physiological_stress_by_suppressing_autonomic_nervous_system_activity_in_young_adults_A_randomized_crossover_study
Wolverton B.C., Johnson, A. und Bounds, K. (1998): Interior Landscape Plants for Indoor Air Pollution Abatement. NASA-Studie 101766:
https://ntrs.nasa.gov/citations/19930073077




